Annweiler in der Morgendämmerung

© Raik Krotofil | Annweiler in der Morgendämmerung

Warum es uns raus treibt – für uns Landschaftsfotografen ist das ganz kurz und knapp die Lust auf grandioses Licht und die Sucht etwas zu verpassen.

Doch der Nichtfotograf fragt sich, warum stehen die Jungs mitten in der Nacht auf, schleppen ihre zwölf Kilo schweren Rucksäcke eine halbe Stunde hoch auf einen Berg, haben kalte Hände und nasse T-Shirts vom Schweiß des Aufstiegs? Wieso? Ich kann doch gemütlich am Vormittag mit dem Auto an einen Parkplatz fahren, kurz aussteigen und meine Fotos machen.

Ja klar, theoretisch geht das, aber dann ist das Licht nicht so, die Farben knallen nicht in den Morgen hinein, die Vögel zwitschern nicht ihr Sommerlied und die Aussicht wird nicht die Selbe sein.

Ich war schon lange nicht mehr auf dem Rehbergturm, um genau zu sein war mein letzter Sonnenaufgang im Januar 2014. Also höchste Zeit, jetzt wo die Sonne besser steht als im Winter, wieder mal hier hoch zu fahren.

Meine Wettertools sagten mir für den Dienstag dieser Woche eigentlich gute Bedingungen voraus. Die Wolken sollten sich auflösen und der Taupunkt lag nahe der Umgebungstemperatur, die Chance auf Nebel stand gut.

Mein Wecker riss mich gegen halb fünf Uhr am Morgen aus dem Schlaf und ich setzte mich in Bewegung nach Annweiler. Der Blick zum Himmel verhieß nichts gutes, trotzdem, wer nichts wagt, gewinnt nichts. Nachdem ich nun die 35 Minuten zu Fuß auf nüchternen Magen hoch gelaufen war, stand ich über den Bergen im Wasgau, die nicht sichtbar waren. Dicke blaugraue Nebelsuppe mit einer Sichtweite von runden 10 Metern hüllte mich ein. Noch 40 Minuten bis zum Sonnenaufgang. Die Zeit verstrich, es wurde heller aber nicht klarer. Gegen 06.40 Uhr beschloss ich, die Kamera war unangetastet im Rucksack, abzubrechen und wieder Heim zu fahren, damit ich vor der Arbeit noch eine halbe Stunde Schlaf tanken konnte.

Am Abend dieses erfolglosen Fotomorgens riss der Himmel auf, die Wetterprognosen sahen noch besser aus und Tim schrieb mir, er wolle am kommenden Morgen raus auf den Rehbergturm. Eigentlich war ich müde vom langen Tag, aber mein Trieb nach rotem Himmel und Nebel in den Tälern lies nicht locker. Ok Tim, holst Du mich ab? Ich komme mit.

Es ist einerseits die Schönheit der Natur, es ist das Erleben, wie der Tag erwacht, wie uns die Sonne mit ihren Farben den Morgen versüßt und andererseits das kleine Abenteuer vom Alltag zu fliehen, zu entspannen zu genießen und zu spüren, dass es noch etwas anderes gibt, als am PC seine Arbeit unter Kunstlicht Geflimmer sitzend zu verrichten.

Doch jetzt lasse ich Tim und Steffen weiter erzählen.

In den letzten Monaten habe ich gelernt, dass man häufiger auf sein Bauchgefühl hören sollte was das Wetter betrifft, wenn man jetzt noch etwas Erfahrung hat und ein wenig riskiert, hat man gute Chancen auf einen grandiosen Sonnenauf oder – Untergang . So auch an diesem Morgen. Der erste Blick in den Himmel sagte mir „Tim leg dich wieder hin“ aber mein Bauchgefühl ließ mir keine Ruhe. Also ab in die Karre…..

gesagt getan, pünktlich um 4:30 Uhr stehe ich bei Raik vor der Haustüre und hole ihn ab, jetzt noch schnell Steffen eingepackt und ab auf den Wanderparkplatz. Ich bin gerne alleine im Wald unterwegs um die Natur um mich herum mit all meinen Sinnen aufzusaugen und zu spüren, wenn ich diesen besonderen Moment mit weiteren Freunden, die die gleiche Leidenschaft teilen, erleben darf, macht das ganze noch mehr Spaß. Auf dem Weg auf den Rehberg sprechen wir über vergange Touren oder freuen uns über Erfolge des anderen und hegen neue Pläne für die Zukunft, in ruhigen Sekunden genießen wir gemeinsam die Natur. So vergehen die 30 Minuten Fußweg wie im Flug und ruck zuck stehen wir auf dem Rehbergturm.

Steffen, it´s your turn!

Rehbergturm mit Ausblick auf Trifels Anebos und Münz

Nachdem ich um 3 Uhr von einer Geburtstagsfeier zurück kam, musste ich mich entscheiden ob ich um 4:30 schon wieder aufstehen möchte oder nicht. Ich hörte aber auf mein sehr gutes Bauchgefühl und entschied mich die ein einhalb Stunden einfach durchzumachen. Zuerst hatte ich leichte Bedenken bezüglich dem Aufstieg auf den Rehbergturm aber das klappte erstaunlich gut. Oben angekommen, ca. 45 min vor Sonnenaufgang, sahen wir am Horizont schon einen schönen glühenden Streifen. Ab dem Zeitpunkt wussten wir, es war die richtige Entscheidung gewesen sich so früh morgens aus dem Bett zu quälen bzw. die Nacht einfach durchzumachen.

Rehberg

Langsam bauten wir unser Equipment auf und machten die ersten Bilder. Jeder hat so seine eigene Art und Weise mit der Location warm zu werden und nach und nach den für sich passenden Bildaufbau zu finden. Die Minuten vergingen wie im Flug und wir genossen den Ausblick vom Turm. Kurz vor Sonnenaufgang ging es dann los. Das sind die 3-4 Minuten die für den Landschaftsfotografen die spannendsten sind. Wenn die Wolken Farbe bekommen. Es deutete sich ganz vorsichtig in der Ferne an und plötzlich stand der ganze Himmel in feurigem Rot. Wir schauten uns an und hatten alle ein fettes Grinsen im Gesicht, auch ein paar Freudenschreie entwichen aus uns 😀  Wir sind immer wieder überwältigt was die Natur uns zu bieten hat.

Ich war schon oft auf dem Rehbergturm doch jedes mal überrascht mich die Natur aufs neue! Der Abstieg fiel dann auch deutlich leichter mit so vielen tollen Bildern im Gepäck.

Rehbergturm

Liebe Grüße

Raik, Tim und Steffen

 

 

 

 

 

3 Comments
  1. Franz Dengel 2 Jahren ago

    Danke, für die sehr schöne Seite.

  2. Gerhard 2 Jahren ago

    sehr schöne Bilder sind hier zu sehen.
    Da kann man mal sehen, dass die Pfalz doch recht attraktiv ist. 😉

  3. Monika 2 Jahren ago

    Hallo Zusammen,… vielen, vielen Dank für Eure wunderschönen Fotos :-)!!!
    Das ist wirklich Balsam für die Seele …und es kommt der Wunsch auf bei solch Erlebnis mal dabei zu sein 😉

    Liebe Grüße und morgen einen tollen Start in die neue Woche
    Monika

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